2011-12-29

OFFENER BRIEF AN EINEN CHEFREDAKTOR

Von ULRICO @ 03:43 [ Default ]

Sehr geehrter Herr Vogel

Mit Interesse haben wir zuweilen Ihre "Perspektiven" gelesen; nicht immer gleicher Meinung, aber gelegentlich auch mit einem Schmunzeln. Ihr weihnächtlicher "Nachruf" auf die abtretende Bundespräsidentin unter dem Titel "Adieu, Madame la Présidente" macht uns jedoch sprachlos.

Gewiss: Ausgeprägte Persönlichkeiten haben in der Regel auch Schwächen. Dass Frau Calmy-Rey eine Persönlichkeit mit einem kantigen Profil ist, zu der einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Zugang nicht gefunden haben, weiss man nicht erst seit gestern. Als Beamter lebt es sich leichter mit einem entscheidungsschwachen Chef, der es allen recht machen will. Die Presse ist dann jeweils rasch zur Stelle mit dem Cliché, die Schweiz werde von ihren Beamten regiert. Aber wehe derjenigen, die angetreten ist, diese Behauptung zu widerlegen!

Wenn wir die Glanzleistungen früherer Inhaber dieses Präsidentenamtes Revue passieren lassen - da gab's doch z.B. einen, der mit einem Kanossagang zu einem irren Wüstendiktator sich und die ganze Schweiz lächerlich gemacht und uns einen angeblich nicht vorhersehbaren Steuerausfall von schätzungsweise 10 Milliarden Franken beschert hat - so hat Frau Calmy-Rey eine gerechtere Beurteilung ihres Wirkens verdient. Wir fragen uns deshalb, womit Sie, Herr Vogel, die "Madame la Présidente", wie Sie diese ironisierend nennen, gekränkt haben könnte; denn anders als aus einer persönlichen Kränkung heraus können wir uns die Gehässigkeit Ihrer Formulierungen nicht erklären. Das wäre zwar etwas unprofessionell aber menschlich.

Wir sind der Ansicht, dass Ihr Artikel die Grenzen des guten Geschmacks definitiv verletzt (zumal in der Festzeit). Trotzdem verzichten wir diesmal auf die in solchen Fällen übliche Kündigung des Abonnementes (viele Alternativen bietet die heutige ausgedünnte Presselandschaft nicht) indem wir auch für Journalisten gelten lassen, was wir eingangs über profilierte Persönlichkeiten gesagt haben: Alle haben ihre Schwächen!

Mit freundlichen Grüssen

Ulrico


ALLER GUTEN DINGE SIND DREI. UND ALLER SCHLECHTEN?

Von ULRICO @ 03:33 [ Default ]

Ulrico hat lange gezögert. Sehr lange. Denn er ist ein Technikfreak. War es schon immer. Er hat schon Computer programmiert, als sie noch ganze Säle füllten und (wie weiland die Dinosaurier) ein "Hirn" hatten, wie später ein Commodore 64. Aber wer weiss heute noch, was ein Commodore 64 ist. Beziehungsweise war...

Ulrico hat auch schon als Siebentklässler gewusst, wie ein Kernkraftwerk funktioniert. Er war fasziniert. "Die Bändigung der Atombombe!" wie es damals hiess. Und die Leute, die bereits in den Siebzigerjahren auf die Strasse gingen und in Latzhosen gegen den Bau von AKW's demonstrierten, hat er belächelt. Die kamen offensichtlich nicht draus. Und klar: Dinge die man nicht versteht machen Angst.

Im März 1979 hat sich dann erstmals das "Restrisiko" bemerkbar gemacht. In Three Mile Island. Ulrico kam ins Grübeln. Aber nicht für lange. Als die Details bekannt wurden war es klar: Die Leute dort hatten geschludert und  so ziemlich alles falsch gemacht; aber trotz allem ist es glimpflich abgelaufen. Klar, die Anlage ist zerstört, der Sachschaden enorm, aber: Soweit man weiss ist kein Mensch gesundheitlich zu Schaden gekommen. "Da sieht man," hat Ulrico wie viele Andere gesagt, "wie sicher so ein KKW ist, wenn trotz horrender Bedienungsfehler und partieller Kernschmelze keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung entstanden ist."

Im April 1986 kam dann Tschernobyl. Wir wollten es lange nicht glauben und das Sowjetregime hat alles getan, um die grausige Tatsache zu verheimlichen: Der erste GAU in der Geschichte der Atomenergie war eingetreten. Auch hier war bald klar: Inkompetenz und eine für unsere Massstäbe schlechthin undenkbare fahrlässige Risikobereitschaft im Umgang mit hochsensibler Technologie hatten zur Katastrophe geführt. Aber mit dieser Erkenntnis zur Tagesordnung überzugehen war nicht mehr möglich, angesichts der Opfer, aber auch angesichts der Tatsache, dass ein solches Ereignis im schweizerischen Mittelland, da wo unsere AKW stehen, einem Ende für dieses Land, wie wir es heute kennen, gleichkäme. Mit anderen Worten: So etwas darf doch gar nicht passieren! Unter keinen Umständen.

Drängende Frage also: Könnte es denn passieren? Die legendäre schweizerische Seriosität, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit sprechen dagegen. Indessen: Sind wir denn wirklich fehlerlos? Sicher ist: Tschernobyl kann bei uns nicht passieren. Der Reaktor dort war ein Fossil aus der Steinzeit der Nukleartechnik mit Konstruktionsmerkmalen des allerersten Atommeilers, den Enrico Fermi 1942 aufgebaut hatte: Uranstäbe in einem Graphitblock als Moderator. Eine kritische Konstruktion; denn als sich der Graphitblock im Verlauf eines verantwortungslosen Experiments überhitzte und zu brennen begann, konnten die Borstäbe, die den Neutronenfluss hätten unterbrechen sollen, nicht mehr eingefahren werden und der Reaktor geriet ausser Kontrolle. Ein solcher Vorgang ist weder in einem Siede- noch einem Druckwasserreaktor denkbar.

Also Entwarnung?

Wir haben es geglaubt. Aber dann kam Fukushima, und jetzt ist alles anders. Was nicht passieren darf, ist passiert! Und Ulrico hat seine Lektion gelernt. Andere (noch?) nicht. Verbissen sagen sie: Solange noch nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen, können wir doch noch keinen Atomausstieg beschliessen. Das ist ein Denkfehler: Es werden nie alle Fakten auf dem Tisch liegen! Und wenn sie lägen, würde es auch nichts helfen; denn die Idee, man könne dereinst wirklich alle Risikofaktoren ins Sicherheitskalkül einbeziehen, ist abwegig. Die bisherigen grossen "Störfälle" sind aus immer wieder anderen Konstellationen von fatalen Faktoren entstanden, die man gerade so nicht vorausgesehen hat. Oder, wie die dritte Ableitung aus "Murphys Gesetz" sagt: "Hat man alle Möglichkeiten ausgeschlossen, bei denen etwas schiefgehen kann, eröffnet sich sofort eine neue Möglichket."

Nochmals: Wer die Möglichkeit ausschliessen will, dass eines Tages ein grosser Teil unseres Mittellandes unbewohnbar und die Schweiz in ihren Grundfesten erschüttert wird, müsste für den Atomausstieg sein. Und wer ist jetzt dagegen? Die glühende Bewahrerin und einzige Schutzherrin unseres geliebten Vaterlandes, die SVP! Kann uns das vielleicht Padre Padrone Christoph erklären? 


2011-01-25

AM BERG - AM STUTZ - AMSTUTZ?

Von ULRICO @ 00:32 [ Default ]

Sind wir dermassen am Berg, dass wir ihn brauchen?
Wen?
Den Amstutz.
Aber sicher!
Warum?
Weil, der kämpft gegen den EU-Beitritt!
Und?
Und das mit aller Macht!
Ist das alles?
Natürlich nicht. Er ist auch gegen Fairness und Anstand in der politischen Debatte.
Aha. Und gegen neugewählte Bundesrätinnen?
Also das mit Frau Sommaruga war doch ein einmaliger Ausrutscher.
Und seine Auslassungen über die neugewählte Frau Widmer-Schlumpf. Sind die schon vergessen?
Er ist halt ein Kämpfer!
Wofür kämpft er denn?
Für seinen angebeteten Übervater Blocher.
Ist das wirklich ein Lebenszweck und ein Aktionsprogramm für einen Ständerat?
Und wie! 
Und andere Anliegen hat er nicht?
Aber sicher! Er kämpft zum Beispiel für das Recht auf Geringschätzung politischer Gegner. Für das Recht, ihre Argumente als "Seich" abzutun.
Aber das ist doch nicht anständig!
Das ist halt bei uns so üblich.
Wo denn?
In der SVP. Und er ist halt ein oberländischer Naturbursch.
Und warum sollten wir ihn wählen?
Weil, der sagt's ihnen dann.
Was?
Egal was. Hauptsache, er sagt's ihnen!
Hätten da Frau Wyss oder Frau Markwalder nicht vielleicht mehr zu sagen?
Seich!




2010-05-19

DAS YOUNG BOYS - DESASTER, ODER: DIE FORTLAUFENDEN TRAGÖDIEN DER JUNGEN KNABEN

Von ULRICO @ 21:19 [ Default ]

In den letzten Tagen ist Ulrico wiederholt von Freunden und Bekannten angesprochen worden, die das Pech haben, in ziemlich abgelegenen Kantonen, wie z.B. Zürich und Basel, zu wohnen. "Und was sagst du jetzt zu den gelbschwarzen Ballkünstlern?" wird er gefragt, mit vielsagendem schiefem Lächeln oder mit geheuchelter Anteilnahme. Manchmal antwortet er trotzig: "Für Fussball interessiere ich mich überhaupt nicht." Oder sogar mit der Gegenfrage: "Warum? Ist YB abgestiegen?"

Aber auf Dauer ist es schwierig, Ignoranz gegenüber weltgeschichtlichen Ereignissen zu simulieren, und so setzt er doch meistens eine zerknirschte Miene auf, ohne gleich in Tränen auszubrechen und gibt zu, dass er schon etwas enttäuscht sei. Als Berner. Aber er schiebt dann gleich nach, dass er ja auch Schweizer sei. Und als Schweizer sei es ihm wichtig, dass sein Land in den internationalen Wettbewerben durch eine Mannschaft vertreten werde, die auch mal ein wichtiges Spiel gewinnen könne. Insofern sei es ja bestens gelaufen.

Aber er stellt sich natürlich auch die Frage, wie es denn kommt, dass diese Boys während Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, zeitweise ganz attraktiven Fussball zu spielen vermögen, vorausgesetzt, dass es nicht gerade um eine wichtige Entscheidung geht. Dann nämlich ist jeweils Sense. Und da fragt sich Ulrico immer häufiger, ob dies vielleicht auch etwas mit dem doch ziemlich antiquierten und auch etwas seltsamen Namen zu tun habe. Seit nunmehr 112 Jahren rennen die jungen gelbschwarzen Knaben in den Schweizer Fussballstadien herum. Grössere Fussballklubs tragen aber heute in der Regel den Namen der Stadt, die sie vertreten: FC Biel, FC Thun, FC Zürich und (ach!) FC Luzern und (oh weh!) FC Basel.

In den Gründerjahren des Fussballs in der Schweiz war dies allerdings teilweise anders. Da glaubte man, dem "Lehrmeister" und Erfinder des modernen Fussballspiels, England, seine Referenz erweisen zu müssen, und so gab es neben den "Young" auch die "Old Boys", die "Young Fellows"; die "Blue Stars" und die "Grasshoppers". Aber nur die letzteren hüpfen noch in den nationalen Stadien herum, haben aber auch schon bessere Zeiten gesehen.

Mögen die "Heugümper" noch als Kuriosität durchgehen, dürfte ein Verein, der sich "Young Boys" nennt und im Wank(!)dorf spielt einen britischen Zeitgenossen schon etwas nachdenklich stimmen. Zumindest wird er zum Schluss kommen, dass diese Jungs ein echt kühnes Outing wagen... Nicht dass Ulrico etwas gegen Schwule hätte! Aber ein modernes Unternehmen mit einem Millionenumsatz müsste sich vielleicht schon mal überlegen, welche Assoziationen es mit seinem Namen weckt.

Der Name des Stadions ist ja bereits geändert worden. Was würde eigentlich dagegen sprechen, dass im "Stade de Suisse" der Hauptstadtklub, der "BSC Capital Bern" zu Hause wäre? Das wäre doch schon mal ein Anfangskapital, mit dem sich eine neue Erfolgsgeschichte schreiben liesse.


2010-03-16

WAHLSCHLACHT, ODER JOURNYS WUNSCHTRAUM

Von ULRICO @ 02:34 [ Default ]
Das BERZ-Wahlpodium im Bären beginnt so, wie derlei Veranstaltungen hierzulande abzulaufen pflegen: Manierlich stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten vor und verkünden ihre politischen Anliegen, für die sie sich wählen lassen möchten. Man/frau gibt sich nett und freundlich, auch zu den politischen Gegnern.
Ferdinand Hitzig, Chefredaktor bei der BERZ, moderiert das Ganze und ist nicht erfreut: „Messerwetzen für den Wahlkampf“ hat er zum heutigen Anlass getitelt, und was die da machen ist eher Süssholz raspeln, denn Messer wetzen. Höchste Zeit also, etwas Öl ins Feuer(chen) zu giessen: „Herr Althaus, was sagen Sie dazu, dass Frau Eckmann im Wochenblattinterview Ihre Aufrichtigkeit in Zweifel zieht und behauptet, dass Sie in der Steuersenkungspolitik ein Doppelspiel betreiben?“ (Das hatte sie zwar so nicht gesagt, aber der Zweck heiligt die Mittel...) Althaus (NAP) zeigt Wirkung. Er läuft rot an und es bricht aus ihm heraus: „Was die Eckmann (GUMP), diese Chaotin, von sich gibt, geht mir am Arsch vorbei!“ Frau Eckmanns Parteikollege, Monsieur Perroquet (GUMP) springt auf, zieht sein Jackett aus und geht, die Ärmel aufkrempelnd, bedrohlich auf Althaus zu: „Diese bodenlose Frechheit nehmen sie sofort zurück, ansonsten...“ Althaus krempelt ebenfalls die Hemdsärmel hoch und geht in Boxerstellung. Herr Stäubli (GRUP) stellt sich schlichtend zwischen die beiden Kontrahenten, aber Althaus fällt ihn mit einem trockenen Kinnhaken. Letzterem schüttet nun Frau Nicklaus (NOP) ein Glas Bier über den Kopf, was dieser mit einer parteiübergreifenden Ohrfeige quittiert. Dies wiederum ruft Herrn Metzger (FLOP) auf den Plan, der Althaus mit einer Mineralwasserflasche niederschlägt. Inzwischen haben sich auch Monsieur Bonjour (FLOP) und Herr Rothenbühler (GUMP) gegenseitig im Würgegriff und die politische Auseinandersetzung beginnt auf den Saal überzugreifen. Es entwickelt sich eine wüste Schlägerei, in deren Verlauf Frau Eckmann (GUMP) von Herrn Graber (NAP) auf dem Podium vergewaltigt wird und Herr Metzger (FLOP), der die Militärpistole aus seinem Wagen geholt hat, blindwütig im Saal herumballert. 
Es gibt zum Glück keine Toten aber ein paar Dutzend Verletzte und jede Menge Stoff um die Gazetten zu füllen. Die Journalisten statuieren in schärfsten Worten ihre moralische Entrüstung über die unentschuldbaren Entgleisungen dieser Polit-Rowdies und was das Schönste ist: Es gibt jede Menge Bildmaterial zu den dramatischen Geschehnissen. Nicht so wie damals, als sich Stapi Bädtschäpp, dazu hinreissen liess, ein Lumpenliedchen über rechtsbürgerliche Politikonen zu singen. (Über dieses erschütternde Ereignis war bekanntlich kein einziges Bildchen aufzutreiben, und da das Vertrauen in das gedruckte Wort in den letzten Jahren schwer gelitten hat, litt die Glaubwürdigkeit des Berichtes. Nur Spitzenleute unter den Pressefotografen wissen, dass auch Bilder lügen können.) Nein, selbst das Lokalfernsehen ist zur Stelle und die „Nacht der langen Messer im Bären zu B.“ (auf diese originelle Bezeichnung des Vorfalls haben sich die Journys inzwischen geeinigt) bleibt noch für Monate ein nationales Medienthema, zumal die Recherchen der selbstverständlich eingesetzten PUK einige pikante Details, z.B. eine parteiübergreifende intime Beziehung zwischen Herrn Stäubli (GRUP) und Herrn Metzger (FLOP), ans Tageslicht bringen
Soweit der wilde Wunschtraum des Journalisten. Die Veranstaltung hat aber im realen Leben tatsächlich stattgefunden und Ulrico zitiert kurz aus den Berichten der offensichtlich schwer frustrierten Journys: „Neun nette Kandidaten. Am BZ-Wahlpodium setzte sich der laue Wahlkampf fort: Die neun Kandidaten waren fast ausnahmslos freundlich zueinander. Kein Feuer, kaum Konflikte, höflicher Umgangston... Die neun Kandidierenden...blieben sachlich und griffen einander kaum je an.“ Die bodenlose Enttäuschung ist mit Händen zu greifen. Ja wenn sich diese Schlaffnüsse doch wenigstens etwas angespuckt und sich gegenseitig ein paar Schlämperlige an den Kopf geworfen hätten! Das Glück des Journalistenvölkleins wäre grenzenlos gewesen. 
Nachtrag (nur für Journalisten)
Kluge Schweizer PolitikerInnen, die sich um einen Sitz in der Exekutive bewerben, wissen, dass es sich dabei um eine Kollegialbehörde handelt. Deshalb halten sie es nicht für besonders schlau, sich bereits vor der Wahl mit den zukünftigen Kolleginnen und Kollegen zu zerstreiten. Eine gut funktionierende Kollegialbehörde wirft wenig Journalistenfutter ab. Damit müsst ihr JournalistInnen leben. Möge euren stetigen Versuchen, Streitigkeiten und Missgunst in solchen Gremien zu schüren, der Misserfolg beschieden sein, den sie verdienen! 
  

2010-03-03

ABZOCKERINITIATIVE, ODER: DAS SCHWEIGEN DER BELAEMMERTEN

Von ULRICO @ 21:59 [ Default ]

Endlich ist er da, der März! Zeit also, ein paar Zeilen über ihn, d.h., genauer, über den ehemaligen Bankangestellten Merz, zu verlieren. Was für eine Karriere! Vom Ab- zum Politzocker. Zwar hat er in der Pokerrunde mit Muammar al-Gaddafi das Gesicht verloren. Aber der Schaden ist geringer als ursprünglich befürchtet: Er hat mehrere davon! Und es heisst doch: "Durch Schaden wird man klug." Da besteht also noch Hoffnung!

Aber zurück zu den Abzockern: Als publik wurde, dass die UBS, obwohl sie armengenössig geworden und auf Sozialhilfe durch uns Steuerzahler angewiesen war, weiterhin das Füllhorn ihrer Boni in Milliardenhöhe auszuschütten begann, war die Empörung riesig. Die Ausrufer vom Dienst wie etwa Christophe Darbellay - richtig! Das ist der, welcher in der Minarettverbotseuphorie auch noch gleich die Judenfriedhöfe schliessen wollte (wir lassen ihm das als jugendlichen Überschwang durchgehen. Sollte der allerdings mal Bundesrat werden wollen, wäre zu bedenken, dass Bundesräte, deren Mundwerk schneller läuft als der Denkapparat, ein Sicherheitsrisiko darstellen. Siehe oben!) - also, Christophe Darbellay gehörte zu den ersten, die sich lauthals zum Sprachrohr des Volkszorns machten.

Dann zogen ein paar Monate ins Land und, seltsam, plötzlich war Schweigen. Nicht das Schweigen der Lämmer, aber das Schweigen der belämmerten Politiker rechts von der SP, die plötzlich gemerkt hatten, oder wohl vielmehr von den Bankern dahingehend belehrt worden waren, dass die Initiative des Herrn Minder auch ihrer Partei und ihnen ganz persönlich ans Eingemachte gehen könnte. Denn ihnen war plötzlich klar geworden, dass sie einem Irrtum aufgesessen waren: Naiv hatten sie, wie du und ich, geglaubt, Boni seien Anerkennungsprämien für gut geleistete Arbeit. Dabei handelt es sich doch schlicht um Schweigegeld und um das überaus wirksame Mittel, um der Weltsicht der Bonuszahlenden etwas Nachdruck zu verleihen.

Da kam doch den bürgerlichen Politikern plötzlich einiges bekannt vor: Müssten aus dieser Sicht nicht auch die Zuwendungen, die aus Finanzkreisen in die Parteikassen fliessen, als Boni bezeichnet werden? Und wie ist das mit den lukrativen Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiratshonoraren, die denjenigen zuteil werden, die das Lied derer singen, deren Brot sie essen? Hallo, werden manche sagen, bei uns gibt es keine Parteispendenaffären wie in Deutschland und in anderen Ländern! Stimmt allerdings: Bei uns sind halt, im Gegensatz zu den meisten Ländern mit einer funktionierenden Demokratie, Parteispenden durch Interessengruppen nicht nur erlaubt, sondern gehören zum politischen System. Und da soll noch einer sagen, der Sonderfall Schweiz existiere nicht!

Und so ist es halt plötzlich stiller geworden im Land, denn dass die Linken ausrufen ist man sich gewohnt, und da hört man schon gar nicht mehr hin. Nun gut. Gerade ganz das Gesicht verlieren wollte man auf Bürgerseite denn doch nicht, obwohl manche eine ganze Menge von Gesichtern haben (siehe oben!). Also irgendwie ein wenig kontrollieren müsse man vielleicht schon, meinte auch Herr Darbellay; aber natürlich nicht so, wie das Herr Minder wolle, nicht so heftig und nicht so wirksam und vielleicht doch nur ein kleines Bisschen.

Mit Kontrollen die fast gar nicht kontrollieren kennt man sich schliesslich aus: Da hat man doch vor etwa zwei Jahren die FINMA, die Finanzmarktaufsicht geschaffen und an deren Spitze ebenfalls einen ehemaligen Bankangestellten gesetzt. Kürzlich stand in der Presse, dass Herr Haltiner nicht nur mal bei der UBS, deren Kontrolle ihm u.a. obliegt, angestellt war, sondern dass er von dieser Institution weiterhin ein namhaftes Ruhegehalt bezieht. Aufschrei der Empörung im ganzen Land, Rücktrittsforderungen? Denkste! In Deutschland wäre das wohl so gewesen; hier sagt man, ein ehemaliger Banker sei geradezu berufen, Banken zu beaufsichtigen. Nach diesem Denkmuster werden demnächst sämtliche Mafiabosse zu Polizeichefs ernannt...

Also wird jetzt eifrig an einem Gegenvorschlag zu Minders Abzockerinitiative gebastelt. Die Fragestellung ist knifflig: Wie verkauft man dem nach wie vor erzürnten Volk ein unwirksames Kontrollsystem? Nun ja: Mit der namhaften finanziellen Unterstützung seitens der üblichen Verdächtigen wird's schon gelingen...     


2010-01-08

WAS IST NUN?

Von ULRICO @ 11:42 [ Default ]

ULRICO HAT DIE ABSICHT DER SWISSCOM, DEN BLUEBLOG ZU SCHLIESSEN, MURREND UND MIT ENTTÄUSCHUNG ZUR KENNTNIS GENOMMEN UND SICH NEU IM CHBLOG EINGERICHTET (ZUR ERINNERUNG: http://www.chblog.ch/whatson/). ANDERE SIND AUCH "WEGGEZÜGELT", DER BERÜHMTESTE "BLUEBLOGGER" MORITZ LEUENBERGER HAT SICH GAR EINE EIGENE BLOG-PLATTFORM EINRICHTEN LASSEN.

HEUTE IST DER 8.JANUAR 2010 UND DER BLUEBLOG FUNKTIONIERT WEITER, ALS OB NICHTS GESCHEHEN WÄRE! HABEN SICH DIE SWISSCOM-VERANTWORTLICHEN EINES ANDEREN (BESSEREN) BESONNEN?  


2009-12-16

SCHWANENGESANG

Von ULRICO @ 01:39 [ Default ]

HALLO FANS!

DA MELDET SICH ULRICO NOCHMALS. KURZ VOR DEM UNTERGANG DES GLORREICHEN BLUEBLOGS. DEN TAUSENDEN VON LESERN - ODER SIND ES MEHR? (MAN HÖRT SO WENIG VON IHNEN...) - SEI HIERMIT KUND GETAN, DASS DER WHATSON-BLOG INSKÜNFTIG UNTER DER URL:

http://www.chblog.ch/whatson/

ZU LESEN IST.

DER BLUEBLOG DER SWISSCOM IST TOT. ES LEBE DER CHBLOG!


2009-12-11

NACHRICHTEN AUS KALAU

Von ULRICO @ 13:18 [ Default ]

Die gute Nachricht zuerst: Die Lehrwohnungsbestände haben wieder zugenommen! Schön, dass sich heute auch die Lehrer eine anständige Wohnung leisten können. Wie bitte? Ach sooo, Missverständnis. Tschuldigung!

A propos leer: Die Kassen der öffentlichen Hand sind sowas von, dass ihr Gähnen schon ansteckend wirkt. Nun muss man ihr, der öffentlichen Hand, schon auf die Finger schauen, dass sie nicht noch tiefer in die Taschen der Steuerzahler greift. Bevorzugtes Opfer ist der kleine Mann. Von der kleinen Frau spricht eh' niemand. Bei der Frau von der Strasse kommen schon wieder Hintergedanken auf. Typisch Männer!

A propos Taschendiebe: Die Polizei wiegelt ab: Die Zunahme der Taschendiebstähle bewege sich statistisch im einstelligen Prozentbereich. Betroffen seien eh' nur ältere Leute, und die seien ja laut neuesten Statistiken so wohlhabend, dass es ihnen nichts ausmache. Dank polizeilicher Toleranz können sich heutzutage auch Taschendiebe eine schöne Wohnung leisten, und daher nimmt der Leerwohnungsbestand wieder ab. Damit schlösse sich der Kreis, und Ulrico hätte mit einer guten Nachricht schliessen können. Aber da ist noch etwas:

A propos leere Kassen: Auch die Kassen der Swisscom sind leer. So leer, dass sie sich diesen Blueblog nicht mehr leisten kann! Bei der Swisscom ist im Gegensatz zu anderen Grosskonzernen kein Kulturprozent vorgesehen. Sie sponsert nur das schnelle Bergabfahren. Wenn das nur kein Omen für ihre Zukunft ist.

A propos Kultur: Was haltet ihr von der Kultur eines Unternehmens, das dem ihm nahestehenden Bundesrat aus Spargründen die Diskussionsplattform entzieht? Aber man muss auch das Positive sehen: Ulrico hat sich doch so schwer getan mit dem Entscheid, wem er für das künftige Digiatalfernsehen das Vertrauen schenken will. Jetzt wird er aber lieber auf ein bestehendes Glasfasernetz setzen, als auf ein versprochenes, das vielleicht aus Spargründen doch wieder gestrichen wird.

Das wär's dann wohl gewesen mit dem Blueblog. Doch halt! Ulrico wird sich demnächst nochmals melden um euch mitzuteilen, wo ihr, wenn ihr wollt, seinen Blog lesen könnt. Wenn möglich wieder unter dem Titel: "WHATSON (?)"


2009-12-01

HERZLICHE GRÜSSE AUS DEM NEANDERTAL

Von ULRICO @ 15:05 [ Default ]

Der Neandertaler, wie manche (in der Schweiz sind es so um die 44% der Bevölkerung) wissen, gilt als ausgestorbene Spezies der Gattung Homo. Der Homo sapiens hat sich auf einer anderen Linie entwickelt.

Angeregt durch den Minarettentscheid und in Anbetracht des Echos, das dieser bei den Rechtspopulisten der umliegenden Länder ausgelöst hat, will nun eine britische Forschergruppe untersuchen, ob die Neandertalerforschung evtl. einen noch lebenden Seitenzweig der Entwicklung übersehen hat, der in die Alpenländer führt.

Die Erfolgsaussichten seien vielversprechend!


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