Endlich ist er da, der März! Zeit also, ein paar Zeilen über ihn, d.h., genauer, über den ehemaligen Bankangestellten Merz, zu verlieren. Was für eine Karriere! Vom Ab- zum Politzocker. Zwar hat er in der Pokerrunde mit Muammar al-Gaddafi das Gesicht verloren. Aber der Schaden ist geringer als ursprünglich befürchtet: Er hat mehrere davon! Und es heisst doch: "Durch Schaden wird man klug." Da besteht also noch Hoffnung!
Aber zurück zu den Abzockern: Als publik wurde, dass die UBS, obwohl sie armengenössig geworden und auf Sozialhilfe durch uns Steuerzahler angewiesen war, weiterhin das Füllhorn ihrer Boni in Milliardenhöhe auszuschütten begann, war die Empörung riesig. Die Ausrufer vom Dienst wie etwa Christophe Darbellay - richtig! Das ist der, welcher in der Minarettverbotseuphorie auch noch gleich die Judenfriedhöfe schliessen wollte (wir lassen ihm das als jugendlichen Überschwang durchgehen. Sollte der allerdings mal Bundesrat werden wollen, wäre zu bedenken, dass Bundesräte, deren Mundwerk schneller läuft als der Denkapparat, ein Sicherheitsrisiko darstellen. Siehe oben!) - also, Christophe Darbellay gehörte zu den ersten, die sich lauthals zum Sprachrohr des Volkszorns machten.
Dann zogen ein paar Monate ins Land und, seltsam, plötzlich war Schweigen. Nicht das Schweigen der Lämmer, aber das Schweigen der belämmerten Politiker rechts von der SP, die plötzlich gemerkt hatten, oder wohl vielmehr von den Bankern dahingehend belehrt worden waren, dass die Initiative des Herrn Minder auch ihrer Partei und ihnen ganz persönlich ans Eingemachte gehen könnte. Denn ihnen war plötzlich klar geworden, dass sie einem Irrtum aufgesessen waren: Naiv hatten sie, wie du und ich, geglaubt, Boni seien Anerkennungsprämien für gut geleistete Arbeit. Dabei handelt es sich doch schlicht um Schweigegeld und um das überaus wirksame Mittel, um der Weltsicht der Bonuszahlenden etwas Nachdruck zu verleihen.
Da kam doch den bürgerlichen Politikern plötzlich einiges bekannt vor: Müssten aus dieser Sicht nicht auch die Zuwendungen, die aus Finanzkreisen in die Parteikassen fliessen, als Boni bezeichnet werden? Und wie ist das mit den lukrativen Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiratshonoraren, die denjenigen zuteil werden, die das Lied derer singen, deren Brot sie essen? Hallo, werden manche sagen, bei uns gibt es keine Parteispendenaffären wie in Deutschland und in anderen Ländern! Stimmt allerdings: Bei uns sind halt, im Gegensatz zu den meisten Ländern mit einer funktionierenden Demokratie, Parteispenden durch Interessengruppen nicht nur erlaubt, sondern gehören zum politischen System. Und da soll noch einer sagen, der Sonderfall Schweiz existiere nicht!
Und so ist es halt plötzlich stiller geworden im Land, denn dass die Linken ausrufen ist man sich gewohnt, und da hört man schon gar nicht mehr hin. Nun gut. Gerade ganz das Gesicht verlieren wollte man auf Bürgerseite denn doch nicht, obwohl manche eine ganze Menge von Gesichtern haben (siehe oben!). Also irgendwie ein wenig kontrollieren müsse man vielleicht schon, meinte auch Herr Darbellay; aber natürlich nicht so, wie das Herr Minder wolle, nicht so heftig und nicht so wirksam und vielleicht doch nur ein kleines Bisschen.
Mit Kontrollen die fast gar nicht kontrollieren kennt man sich schliesslich aus: Da hat man doch vor etwa zwei Jahren die FINMA, die Finanzmarktaufsicht geschaffen und an deren Spitze ebenfalls einen ehemaligen Bankangestellten gesetzt. Kürzlich stand in der Presse, dass Herr Haltiner nicht nur mal bei der UBS, deren Kontrolle ihm u.a. obliegt, angestellt war, sondern dass er von dieser Institution weiterhin ein namhaftes Ruhegehalt bezieht. Aufschrei der Empörung im ganzen Land, Rücktrittsforderungen? Denkste! In Deutschland wäre das wohl so gewesen; hier sagt man, ein ehemaliger Banker sei geradezu berufen, Banken zu beaufsichtigen. Nach diesem Denkmuster werden demnächst sämtliche Mafiabosse zu Polizeichefs ernannt...
Also wird jetzt eifrig an einem Gegenvorschlag zu Minders Abzockerinitiative gebastelt. Die Fragestellung ist knifflig: Wie verkauft man dem nach wie vor erzürnten Volk ein unwirksames Kontrollsystem? Nun ja: Mit der namhaften finanziellen Unterstützung seitens der üblichen Verdächtigen wird's schon gelingen...